TIME TO ACT!

Das war sie also, die antifaschistische Demonstration in Gorndorf. Ca. 130 zumeist jüngere Antifaschist*innen, aber auch einiger Vertreter*innen von Parteien und Gewerkschaften haben trotz der Drohkulisse, welche ca. 30-40 Neonazis gegenüber der Demonstration aufbauten, ein starkes Zeichen gesetzt.

Antifa Demo Saalfeld Gorndorf

Es ging einmal quer durch Gorndorf mit einer Zwischenkundgebung vor dem Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf und es wurde immer wieder auf das Anliegen der Demonstration aufmerksam gemacht. Mit Redeträgen, Sprechchören und ordentlich Wumms vom Lautsprecherwagen bekamen die Demonstrant*innen viel Aufmerksamkeit und neben ein paar Mittelfingern auch einiges an Zuspruch von Anwohner*innen
Außerdem wurde auf Parallelen zu den 90er Jahren hingewiesen und zum Protest gegen die Nazidemonstration am 1.Mai 2016 in Plauen aufgerufen.

Antifa Demo Saalfeld Gorndorf 209.04.2016

Wir wissen von einigen Leuten, die aus Angst nicht an der Demo teilgenommen haben. Das ist schade, aber auch verständlich…
Andere haben ihre Angst überwunden und sind gekommen um Gesicht zu zeigen. Das finden wir richtig gut!

Besonders nah ging uns ein Gruß der Mutter eines Jugendlichen, der zusammen mit ein paar Freund*innen vor fast genau einem Jahr am 1.Mai 2016 von 80 Neonazis in der Saalfelder Saalstraße angegriffen und sehr schwer verletzt wurde. Danke für deine Worte! Danke Antifa! Der leidenschaftliche Applaus sprach Bände.

Antifa Demo Saalfeld Gorndorf 29.04.2016

Wir sehen unseren Protest nicht als einmalige Aktion. Der Tag in Gorndorf hat gezeigt, dass Nazis scheinbar völlig ungestört Bier saufend vor ihrer Lieblingskneipe rumlümmeln können. Die Polizei hatte die Lage diesmal richtig eingeschätzt und verhindert, dass Faschisten die Demonstrant*innen angreifen konnten.
Doch die Polizei ist nicht immer in so einer Stärke vor Ort. Die Nazis leider schon. Deshalb gilt es, den antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren und den Faschisten nicht das Feld zu überlassen!

ANTIFA IN DIE OFFENSIVE!

Redebeitrag der Kampagne „Last days of april“

Redebeitrag „Antifaschistisches Jugendbündnis Saalfeld“
Wie würdest du dich fühlen, wenn stadtbekannte Nazis der Region deinen Namen, deine Familie, deine Freunde und dein Zuhause kennen? Was würdest du machen, wenn du Angst hast, nach Hause zu gehen? Wie würdest du handeln, wenn nicht nur du selbst sondern auch viele deiner Freunde tagtäglich von Nazis belästigt, angegriffen und in ihrem Leben eingeschränkt werden?
All diese Fragen beschäftigen nicht nur mich, sondern auch viele, wenn nicht sogar alle, der hier Anwesenden. Und das ist genau der Grund, warum diese Demo unter dem Motto Time To Act stattfindet.
Seit dem 1. Mai des letzten Jahres zeigen die Neonazis immer mehr Präsenz in unserer Umgebung. Und das nicht nur in einem Faschokiez wie Gorndorf. Nein, auch in der Innenstadt, zu Veranstaltungen und Lokalitäten, in die sie sich jahrelang nicht getraut haben. Anfangs wurden politisch aktive Mädchen der linken Szene auf ihrem Nachhauseweg abgefangen und gewaltsam angegriffen. Das war aber lange noch nicht alles. Andauernd fahren Nazis, z.T. mit Baseballschlägern bewaffnet durch die Stadt, zeigen dabei Hitlergrüße und bedrohen uns. Sie fotografieren Jugendliche vorm Klubhaus und verfolgen sie durch Gorndorf. All das passiert nicht mehr nur in der Nacht, sondern auch am helligsten Tag. Morddrohungen und nächtliche Anrufe gehören dabei zur Normalität. Ihre Strukturen wachsen kontinuierlich und sind bereits erschreckend weit fortgeschritten. Erst vorletzte Woche gab es ein zufälliges Zusammentreffen mit ebendiesen Faschisten, die mit Mundschutz und Flaschen auf alternative Jugendliche losgingen. Wir müssen ständig wachsam sein und einen Selbstschutz organisieren, denn die Behörden zeigen daran wenig Interesse und vor allem die Polizei keine Präsenz.
Wir stehen hinter den Betroffenen rechter Gewalt und fordern euch auf, die Augen offenzuhalten, den Opfern beizustehen, sich offen zu positionieren und Nazis entschlossen in die Schranken zu weisen.
Wie schon in den 90er Jahren ziehen sie jetzt wieder ihre Runden und die aufkommende Gefahr ist nicht mehr zu leugnen. Es muss endlich etwas passieren. Wir akzeptieren kein Schweigen und Verdrängen mehr. Wir haben kein Bock mehr auf menschenverachtendes Treiben im Kiez und stellen uns den Angsträumen offensiv entgegen. Die Zeit des Handelns ist gekommen. Jetzt ist Schluss mit lustig.