Widersprüchliches Verhalten – Kritik am Rudolstädter Holocaustgedenken

Am 27. Januar fanden sich zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus rund 60 Menschen am Platz der Opfer des Faschismus in Rudolstadt ein, um eben diesen zu Gedenken. Nach gelungenen und differenzierten Redebeiträgen von Bürgermeister Jörg Reichl und Pfarrer Weiss wurden Blumen und Kränze niedergelegt. Auch wir beteiligten uns an diesem Gedenken. Leider hat sich auch dieses Jahr, trotz vorangehender Kritik, nichts an der geschichtsrevisionistischen Aufschrift des Gebindes der Stadt Rudolstadt geändert, auf dem folgendes stand: „Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt“.

Wer an diesem Gedenktag, welcher expliziert den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist, ernsthaft so ein Spruchband niederlegt, sollte sich wirklich fragen ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Deutsche Täter sind und waren keine Opfer. Ihnen sollte man nur mit Verachtung und nicht mit Blumengebinden begegnen. Den nationalsozialistischen Tätern an so einem Tag, oder generell Gedenken zu wollen, verhöhnt alle Opfer dieser barbarischen Ideologie. Dies gilt es, auf’s Schärfste zu verurteilen und zu bekämpfen.

Wir dokumentieren hier zwei Briefe der AG Analyse & Kritik, die uns zugespielt wurden, welche vergangenes und dieses Jahr als Reaktion an den Bürgermeister Jörg Reichl geschickt wurden:

Brief Ende Januar 2019

Angemessenes Gedenken zum internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – zum Zweiten!
Sehr geehrter Bürgermeister,
mit großen Bedauern mußten wir erneut feststellen, dass unser Schreiben vom 28.01.2018 bei Ihnen kein Umdenken im Bezug auf die Kranzbeschriftung hervor rief. Wir verstehen nicht, wie sie in ihrer Rede klare Worte für diesen Tag und dem Gedenken daran finden, aber dann ein Gebinde niederlegen, wo es in keiner Weise ein Bezug zur Shoah und zum Nationalsozialismus gibt, Es stimmt uns traurig, dass es nicht möglich ist, dass unsere Kritik des letzten Jahres gehört und dementsprechend reagiert wird. Es erinnert uns ein wenig an längst vergangene Zeiten, auch damals, Ende der 80er wurde auf Kritik nicht entsprechend reagiert.
Wir sehen uns leider gezwungen, dieses Thema öffentlich zu machen um eine größere Aufmerksamkeit und eine höhere Sensibilität für diesen Tag zu erreichen.

Brief Ende Januar 2018

Angemessenes Gedenken zum internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Sehr geehrter Bürgermeister,
wir haben uns am 27.01.2018, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, zur offiziellen Gedenkveranstaltung in Rudolstadt getroffen und Sie am Ende zu ihrer bedruckten Schleife angesprochen. Dabei erklärten wir Ihnen, das der Aufdruck „Zum Gedenken für die Opfer von Krieg und Gewalt“ nicht angemesen für diesen besonderen Tag ist, sondern im Gegenteil und in diesem Kontext eine Gleichsetzung von Opfern und Tätern darstellt.
Sie argumentierten damit, das der ehemalige Bundespräsident R.Herzog 1996 den 27.01. mit diesen Worten als Gedenktag deklarierte. Das ist schlichtweg eine falsche Behauptung.
Richtig ist, das der 27.01. ab diesem besagten Jahr zum Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus bestimmt wurde und wie sie selber sagten, ist es der Tag der Befreiung des Vernichtungslager Ausschwitz.
„Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes.
In seiner Proklamation führte Herzog aus:
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“
Im Bundestag findet eine Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt.“
Quelle: Wikipedia.org

Wenn sie das, was sie am Samstag in Ihrer Rede vorgetragen haben Ernst meinen, dann bitten wir Sie, diese Gleichsetzung von Opfern und Tätern des Nationalsozialismus gründlich zu überdenken und in Zukunft ein dem Anlass entsprechendes Gebinde anfertigen zu lassen. Unsere Argumentation hat rein gar nichts mit einer, laut Mirko Schreiber geäußerten: „…ideologischen Verblendung ..“ zu tun, sondern ist eine objektive und differenzierte Betrachtungsweise die den Opfern und Überlebenden der Shoah gewidmet ist!
Der Gedenktag für die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen findet im übrigen zwei Wochen vor dem ersten Adventssonntag am sogenannten „Volkstrauertag“ statt.
Wir würden uns wünschen, dass die Stadt Rudolstadt für die Zukunft sensibler mit diesem Tag umgeht und werden auch nächstes Jahr genau hinsehen, wenn es am 27.01.darum geht, den Opfern des Holocaust angemessen zu Gedenken !


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