Archiv für Mai 2020

MDR Beitrag: Thüringer „Jungsturm“: Enge Verbindungen ins „Blood and Honour“-Netzwerk

Wir dokumentieren einen Beitrag vom MDR Thüringen

Die Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ besitzt offenbar engere Verbindungen zum rechtsextremen „Blood and Honour“-Netzwerk als bisher bekannt. Das haben Recherchen des Magazins „FAKT“ ergeben.

Fotos, die „FAKT“ vorliegen, zeigen „Jungsturm“-Mitglieder gemeinsam mit bulgarischen Neonazi-Hooligans, die der Gruppierung „Animals Sofia“ angehören. Darunter ist auch der Rechtsextremist Orlin P. Er soll nach FAKT-Recherchen der Kontaktmann der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe in das internationale militante Neonazi Netzwerk sein. „Blood and Honour“ ist in Deutschland verboten.

Auch Kontakte zur verbotenen Gruppe „Combat 18″
Orlin P. soll gute Kontakte zu internationalen Kadern von „Blood & Honour“ und dessen bewaffneten Arm „Combat 18″ pflegen. Treffen zwischen P. und deutschen „C18″-Kadern sollen unter anderem beim Neonazi-Festival im sächsischen Ostritz 2018 stattgefunden haben. Die Gruppe „Combat 18″ wurde in Deutschland Ende Januar 2020 vom Bundesinnenministerium verboten.

Der Autor und Hooligan-Experte Robert Claus sagte gegenüber dem ARD Magazin: „Die große Gefahr der Kontakte des ‚Jungsturms‘ zu einem Netzwerk wie ‚Blood and Honour‘ liegt darin, dass eine solche Verbindung letztendlich auf Rechtsterrorismus hinauslaufen könne.“ Extrem rechte Ideologie sei immer gewalttätig und eine Gruppierung wie „Jungsturm“ habe das Potential in der rechten Szene zu rekrutieren und zu radikalisieren, so Claus.

„Jungsturm“ soll aus RWE-Fanspektrum stammen

Die Hooligan-Gruppierung, die aus dem Fanspektrum des Fußballvereins FC Rot-Weiß Erfurt stammen soll, gibt es seit 2014. Szenekenner schätzen den harten Kern auf zehn Personen ein mit einem engen Umfeld zu weiteren 30 Personen, darunter viele polizeibekannte Neonazis.

Ermittlungen gegen „Jungsturm“-Mitglieder laufen

Bei Hausdurchsuchungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt waren Ende April drei mutmaßliche „Jungsturm“-Mitglieder festgenommen worden, darunter nach „FAKT“-Informationen auch ein preisgekrönter Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt. (Anm. Ajubs: Hierbei handelt es sich um den aus Saalfeld stammenden Theo Weiland) Einzelne Mitglieder der Gruppe sollen in den vergangenen Jahren Gewaltstraftaten begangen haben. Gegen sie wird nun wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

MDR Beitrag: Rechtsextreme Kampfsportler, Sicherheitsleute und militante Netzwerke

Wir Dokumentieren einen Beitrag vom MDR Thüringen

Nach MDR-Recherchen soll die Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ enge Verbindungen zum internationalen „Blood & Honour“ Netzwerk haben. Die Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ soll demnach zur Fan-Szene von FC-Rot-Weiß Erfurt gehören.

Ende April 2020 – Polizeieinheiten durchsuchen Wohnungen und Objekte in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen. Die Razzia gilt der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe „Jungsturm“ aus dem Fan-Spektrum des FC Rot-Weiß Erfurt. Drei Männer werden festgenommen. Darunter ein preisgekrönter Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt.

Jürgen Graf von der Polizei Saalfeld sagte dem MDR, bei der Gruppe handle es sich um Männer im Alter von 20 bis 32 Jahren. „Die sind teilweise kampfsporterfahren, sind auch bekannt aus der Vergangenheit durch Gewaltstraftaten, einzelne Mitglieder der Gruppe und auch durch politisch motivierte Kriminalität.“ Den „Jungsturm“-Mitgliedern wird die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, sie sollen über Jahre immer wieder Körperverletzungen begangen haben.

Brutale Kämpfe im Wald

Ein Wald irgendwo in Deutschland. Zwei Hooligan-Gruppen haben sich zu einem so genannten „Match“ verabredet – einem Hooligan-Kampf. Die Männer gehen aufeinander zu, stürzen sich aufeinander – eine Massenschlägerei beginnt.
Solche Kämpfe sind, auch wenn sie einvernehmlich geschehen, in Deutschland verboten. Das Video von diesem Kampf liegt dem MDR vor. Es zeigt, wie brutal solche Kämpfe ablaufen. Bei einer der beteiligten Gruppen handelt es sich nach MDR-Informationen um Mitglieder der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe „Jungsturm“. Auch die drei Festgenommenen sollen hier zu sehen sein. Einige Mitglieder des „Jungsturms“ arbeiten als Sicherheitsmitarbeiter bei Veranstaltungen, nehmen an Neonazi-Kampfsportturnieren wie dem TIWAZ 2019 teil. Der Kampfsportler aus Sachsen-Anhalt trainiert in seinem Verein sogar Kindergruppen.

Taten mit politischem Hintergrund

Romy Arnold, Sprecherin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Thüringen (Mobit) sagte dem MDR, dass die Sicherheitsbehörden die politische Dimension von Gruppierungen wie dem Jungsturm“ zu oft vernachlässigt hätten, wenn etwa von „Problemfans“ oder Gewalttätern aus dem „Fußballspektrum“ die Rede sei.
„Das lässt völlig außer Acht, dass Mitglieder vom Jungsturm in die deutsche und internationale Neonaziszene verwickelt sind, dass auch die Taten mit einem politischen Hintergrund verübt wurden, beispielsweise der Übergriff auf Connewitz 2016, an dem „Jungsturm“-Mitglieder beteiligt waren und dass „Jungsturm“-Mitglieder in der Neonaziszene sozialisiert worden sind.“

Eine politische Dimension des Thüringer „Jungsturm“ ist tatsächlich kaum zu übersehen. Nach MDR-Informationen unterhält die Gruppe gute Kontakte zu den militanten bulgarischen Neonazi-Hooligans „Animals Sofia“. Ein Foto zeigt sie mit den Rechtsextremen in Bulgarien und Erfurt.
Auch ins internationale Spektrum des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“ und dessen in Deutschland ebenfalls verbotenen bewaffneten Arm „Combat 18″ sollen „Jungsturm“-Mitglieder enge Kontakte pflegen. Wechselseitige Stadionbesuche, Kneipenabende, Familienbesuche – immer wieder taucht auf den Fotos, die dem MDR vorliegen Orlin P. gemeinsam mit „Jungsturm“-Mitgliedern auf. Der bulgarische Neonazi ist nach MDR-Recherchen der Kontaktmann der Gruppe ins internationale Neonazi-Netzwerk.

Der Autor und Hooligan-Experte Robert Claus sagte dem MDR, die große Gefahr in einer Verbindung zwischen einer Gruppe wie dem „Jungsturm“ und „Blood & Honour“ bestünde darin, dass sie letztendlich auf Rechtsterrorismus hinauslaufen könne.

„Extrem rechte Ideologie ist immer gewalttätig. Eine rechtsextreme Hooligan-Gruppe wie der „Jungsturm“ hat das notwenige Gewaltpotential, in dem militante Strukturen der extrem rechten Szene weiter rekrutieren, die Leute auch weiter radikalisieren.“

Robert Claus