Archiv der Kategorie 'Recherche'

Naziübergriff in Saalfeld/Saale am 03.01.2019 – die Täter beim Namen nennen!

In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2019 ereignete sich in Saalfeld ein rechtsextremer Angriff auf einen 30 Jährigen Antifaschisten. Die lokale Presse titelte völlig entpolitisiert am darauf folgenden Tag „30 Jähriger von Maskenmann in Saalfeld angegriffen und verletzt – Zwei Tatverdächtige ermittelt“.
Der Betroffene, wie auch Zeug*innen des Überfalls konnten den Saalfelder Neonazi Felix Reck jedoch als Täter identifizieren. Außerdem erkannten sie den Fluchtwagen von Eric Holzhey, der in der Vergangenheit durch seine Gewaltbereitschaft und die Nähe zu den Nazi-Hooligans vom „Jungsturm Erfurt“ aufgefallen ist. Dieser Sachverhalt führte dazu, dass die Polizei die Täter noch in der selben Nacht festsetzen konnte. Im Fluchtwagen befanden sich neben den Masken auch illegale Waffen. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Dieser Überfall geschah nicht aus Affekt sondern mit Ansage und war, wie die Umstände zeigen, eine geplante Tat. Des weiteren reiht sich dieser faschistische Übergriff in eine lange Liste rechter Gewalttaten und Bedrohungen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt aus dem letzten Jahr ein:

04.05.2018
Saalfeld
Der Neonazi Felix Reck bewirft ein vorbeifahrendes Auto, in dem er politische Gegner vermutet, mit Gegenständen

04.05.2018
Saalfeld
Bei Aufbauarbeiten für ein alternatives Straßenfest am Schloßberg 1 gab es in der Nacht zum 5.5.2018 einen Angriff durch Felix Reck und Eric Holzhey mit Steinen auf das Kulturprojekt

05.05.2018
Saalfeld
Bedrohungen gegenüber dem alternativen Straßenfest durch Felix Reck, David Heinlein, Maximilian Warstat, Steven Hause und David Nowak

In der selben Nacht gab es einen Angriff auf ein Pärchen durch Felix Reck und Eric Holzhey. Dabei kam es zu einer Körperverletzung und Bedrohung bei einem der Jugendlichen durch Felix Reck.

07.05.2018
Saalfeld
Bedrohung auf dem Markt Saalfeld, durch Felix Reck gegen einen Jugendlichen aus dem linken Umfeld

28.06.2018
Saalfeld
Anfahrversuch durch Felix Reck bei zwei Jugendlichen vor dem Klubhaus der Jugend in Saalfeld

27.07.2018
Saalfeld
Verfolgungsjagd mit dem Auto durch Felix Reck

03.08.2018
Saalfeld
Bedrohung & versuchte Körperverletzung durch Anfahrversuch durch Felix Reck gegen einen Jugendlichen am Schlossberg/Am Weidig

04.08.2018
Saalfeld
Sachbeschädigung an linkem Kulturprojekt durch Felix Reck

12.08.2018
Saalfeld
Bedrohung einer Person aus einem linken Kulturprojekt in Saalfeld durch Felix Reck

17.08.2018
Saalfeld
Angriff auf Gäste des Klubhau der Jugend Saalfeld zu einer Veranstaltung mit Eiern aus einem vorbeifahrenden Auto heraus. Mit dabei: David Nowak, David Heinlein, Felix Reck, Maximilian Warstat, Dominic Allgeier und Weitere

28.10.2018
Saalfeld
Bedrohung einer Jugendlichen durch Felix Reck und Maximilian Warstat in Saalfeld

31.10.2018
Saalfeld
Anfahrversuch bei einer Jugendlichen durch Felix Reck in der Oberen Straße in Saalfeld

08.12.2018
Rudolstadt
Angriffe von Felix Reck auf einige Besucher und einen alternativen Jugendlichen bei der Getting Tough Aftershowparty in Rudolstadt

18.12.2018
Saalfeld
Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung durch Felix Reck gegen einen Jugendlichen vor seinem Wohnhaus

03.01.2019
Saalfeld
Körperlicher Angriff von Felix Reck gegen einen Antifaschisten in Saalfeld

04.01.2019
Saalfeld
Einschüchterungsversuch/Bedrohung von Felix Reck gegen einen Jugendlichen, der bei der begangenen Körperverletzung vom Vorabend in Saalfeld ein Zeuge war

Da sich die folgende Gewalttat nicht im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ereignete, sie aber dennoch nicht in Vergessenheit geraten darf:
Am 11. Januar 2016 beteiligte sich Felix Reck zusammen mit Maximilian Warstat an den gewalttätigen Ausschreitungen in Leipzig Connewitz

Es zeigt sich, dass es sich bei Felix Reck um einen gefährlichen Wiederholungstäter handelt, der weiß was er tut und schwere Verletzungen oder gar den Tod seiner Opfer in kauf nimmt. Unverständlich bleibt, wieso Personen wie Felix Reck und Eric Holzhey seit mehreren Jahren beim SSV Saalfeld im Kampfsport ausgebildet werden. Diese rechtsextremen Personen und Netzwerk gilt es auf allen Ebenen zu bekämpfen. Nazis sind und bleiben eine Gefahr für die Gesellschaft und müssen auch als solche benannt werden. Es sind keine „besorgten Bürger“ oder „Abgehängte“ sondern hakenkreuzgefährliche Deutsche.

Felix Reck 2018
Felix Reck (links) beim Kampfsporttraining des SSV Saalfeld

Eric Holzhey
Eric Holzhey (oben rechts) beim Kampfsporttraining des SSV Saalfeld

Wir bitten alle, die von Naziübergriffen betroffen sind: meldet diese Vorfälle bitte bei uns über die Kontaktmail und/oder bei „Ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen“ . Ihr seid nicht alleine und die Gefahr durch Nazis wird nicht kleiner, wenn man sich einschüchtern lässt oder sich zurück zieht. Gegen Faschos und ihre Angriffe helfen keine Kerzen und Lichterketten, keine Gebete oder stumpfes Ignorieren sondern nur ein entschlossener und starker antifaschistischer Selbstschutz!

Nazis aus der Deckung holen – Keine Homezone für Faschisten!
Antifa in die Offensive!

„3. Invictus Fightnight“ in Saalfeld mit neonazistischer Beteiligung

Am 18. August 2018 soll in Saalfeld/Thüringen die „3. Invictus Fightnight“ stattfinden. Organisiert wird das Event von der „Invictus Kick-und Thaiboxschule“ um Trainer und Profikämpfer in K1, John Kallenbach. Bereits in den News von der Matte #4 wurde über über die mehr als fragwürdigen Kämpfer auf der Fightcard, sowie über Kallenbachs Verbindung zur rechten Modemarke „Label 23“ berichtet.

Kevin Görke (1.v.l.) und Sebastian Dahl (2.v.l.) beim „Kampf der Nibelungen“ im Oktober 2017
Kevin Görke (1.v.l.) und Sebastian Dahl (2.v.l.) beim „Kampf der Nibelungen“ im Oktober 2017

U.a. wird Kevin Görke für den 18. August angekündigt. Er stieg im April 2018 bem Turnier des „Kampf der Nibelungen“ im Rahmen des Neonazi-Festivals „Schild & Schwert“ in Ostsachsen in den Ring. Auch am Neonazi-Kampfsportevent „Tiwaz“ im sächsischen Erzgebirge im Juni 2018 trat er als Kämpfer an. Görke, dessen Rücken der Schriftzug „Leben heißt Kampf“ ziert, ist seit Jahren an die Neonazi-Szene Thüringens angebunden, u.a. an den vormals in Berlin lebenden Neonazi Sebastian Dahl. Dieser war Kämpfer beim „Kampf der Nibelungen“ im Oktober 2017, wobei ihn Görke dort offensichtlich in der Ringecke unterstützte.

Auch Martin Bissinger, der in Halle/Sachsen-Anhalt beim „La Familia Fightclub e.V.“ trainiert, soll bei der kommenden „Invictus Fightnight“ antreten. Seine Neonazi-Karriere führte ihn von der extrem rechten Partei „Der III. Weg“ hin zur „Identitären Bewegung“. Er nahm 2016 an der Sommerakademie der französischen „Generation Identitaire“ teil und bewegte sich noch bis Ende 2017 im nahen Umfeld der „Kontrakultur Halle“, ein Ableger der „Identitären Bewegung“ in Deutschland. Jüngst gab er ein Interview, in dem er seinen Ausstieg aus der Neonazi-Szene schilderte. Aufgrund der zeitlich sehr kurzen Spanne zwischen Aktivität und „Ausstieg“, sowie hinsichtlich seiner führenden Tätigkeit innerhalb der Neonazi-Szene ist dieser „Ausstieg“ nicht glaubhaft, sondern dient wohl einzig dazu, seine Karriere im Profi-Sport nicht zu gefährden. Tatsächliche Aussteiger brauchen schließlich Jahre, um mit der Szene zu brechen, mitunter riskieren sie dabei Leib und Leben.

Martin Bissinger (markiert) auf der Sommerakedemie der „Generation Identitaire“ 2016
Martin Bissinger (markiert) auf der Sommerakedemie der „Generation Identitaire“ 2016

Neonazis eine Bühne zu bieten, wie in Saalfeld bei der „Invictus Fightnight“, ist ein falsches Signal an die extrem rechte Szene. Wer auf Neonazi-Events kämpft und in die rechte Szene eingebunden ist, gehört ausgeladen und ausgeschlossen. Vor allem im Hinblick auf die rasante Entwicklung innerhalb dieser Szene in Bezug auf Kampf- und Kraftsport.
Wir sehen auch den Lankreis Saalfeld-Rudolstadt in der Verantwortung, solchen Events keine Räume zu vermieten, solange Neonazis als Kämpfer angekündigt werden. Schließlich ist der Landkreis für die Vermietung der Dreifelder-Sporthalle „Grüne Mitte“ zuständig, wo die „Invictus Fightnight“ stattfinden soll.

Deshalb:
Ansprechen, Aufklären, Einmischen – Runter von der Matte und Kein Handshake mit Nazis!

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Danke an Runter von der Matte! – kein Handshake mit Nazis! für die gute Recherche und den Artikel.

Kein Schlussstrich! Kundgebung zum Urteil im NSU Protess

NSU Urteil

Am Mittwoch den 11. Juli 2018 gibt es neben einer Großdemonstration in München bundesweite Aktionen zur Urteilsverkündung im NSU-Prozess. Auch in Saalfeld wird es von 10:00 bis 18:00 Uhr eine Kundgebung in der Blankenburger Straße geben.
Mit dieser Kundgebung auf dem Saalfelder Boulevard wird auf die Verkündung des Urteils im NSU-Prozess aufmerksam gemacht und deutlich gezeigt, dass es nach diesem Urteil keinen Schlussstrich geben kann. Es bleiben viel zu viele Fragen offen. Eine lückenlose Aufklärung, die von höchster politischer Stelle versprochen wurde, gibt es bis heute nicht und das nach 5 Jahren NSU-Prozess. Die Opfer und Betroffenen des NSU leiden weiter und es liegt an uns, sie dabei nicht alleine zu lassen!

Hintergründe und weitere Informationen zur Kampagne „Kein Schlussstrich“ findet ihr hier: https://nsuprozess.net/

MDR Dokumentation: Immobilien, Geld und Hassmusik –

Diese Dokumentation zeigt deutlich auf, in welchen Strukturen sich auch Saalfelder Neonazis der sogenannten „Anti-Antifa-Ostthüringen“ herumtreiben. Zum Beispiel sind Maximilan W. (21:58 min) und David H. (23.43 min) aus Saalfeld/Gorndorf am Einlass zum Nazi-Event „Rock gegen Überfremdung“ am 20. August 2016 in Kirchheim zu sehen. Über dieses Event und die Machenschaften von David H. berichtete die Rechercheplattform Thüringen Rechtsaußen.

Exakt – Die Story:
Nirgendwo gibt es so viele rechtsextremistische Konzerte, Liederabende und Festivals wie in Thüringen und Sachsen. Auf den Events geht es um Kontaktpflege – und um Geschäfte. .

Hochburgen rechter Gewalt in Thüringen

Die Frankfurter Rundschau schaut besorgt in den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Aus Gründen:

Hochburgen rechter Gewalt in Thüringen
von Andreas Förster, 30.10.2015

Thüringer Rechtsextreme haben für den kommenden Sonntag zu einem Fackelmarsch in Rudolstadt aufgerufen. Die Behörden sind alarmiert, denn die Rechten wollen zu einer Flüchtlingsunterkunft in der Stadt ziehen. Rudolstadt und das benachbarte Saalfeld haben sich in den vergangenen Monaten zu einer Hochburg gewalttätiger Neonazis im Freistaat entwickelt. Am Sonntag wird die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort sein, denn man befürchtet, dass die Situation außer Kontrolle geraten könnte. Was auch daran liegt, dass ein Fußballspiel des örtlichen Vereins gegen Lok Leipzig stattfindet. Der Verein, der für sein radikales Hooliganumfeld bekannt ist, wird von insgesamt 600 Anhängern zu dem Auswärtsspiel begleitet. Die Polizei geht davon aus, dass ein Teil der Hooligans sich dem Fackelmarsch anschließen könnte.

Im Stadtzentrum wurde Anfang Oktober ein junger Syrer rassistisch beleidigt und angegriffen. Er kam mit leichten Verletzungen davon. Wenige Tage zuvor hatte eine NPD-Kreisrätin eine Kundgebung vor dem Heim organisiert, an der 350 Menschen teilnahmen, darunter viele in der Region bekannte Neonazis. Im Internet rief danach eine Gruppe „Pegida Saalfeld-Rudolstadt“ dazu auf, Quecksilber in die Heizungskörper der Heime zu schütten und Gasleitungen zu zerstören.

Doch nicht nur in Rudolstadt, sondern auch in der nur zwölf Kilometer entfernten Kreisstadt Saalfeld hat die Zahl rechter Straftaten und Überfälle in den vergangenen Monaten stark zugenommen. So kam es am Rande eines von der Polizei nur unzureichend abgesicherten Aufmarsches der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ am 1. Mai zu Straßenschlachten und regelrechten Hetzjagden auf linke Gegendemonstranten. Anfang Oktober wurden an zwei Tagen junge Frauen aus dem Antifa-Milieu von Unbekannten angegriffen und zusammengeschlagen, nachdem die Täter ihnen in der Dunkelheit aufgelauert hatten.

Ein bevorzugtes Ziel der Rechten in Saalfeld ist schon seit Jahren das Wahlkreisbüro der Landtagsabgeordneten Katharina König (Linke). Zuletzt sprühten Unbekannte in der Nacht zum 9. Oktober ein Hakenkreuz, einen riesigen Davidstern und das Wort „Judenhure“ an das Gebäude. Auch ein Haus in der Nähe wurde mit dem Wort „Jude“ markiert. An die Rohre einer Fernwärmeleitung schmierten die Täter unter Bezug auf die Vernichtungslager der Nazis die Losung „Frau K. in den Ofen“. Ende Juni hatte die Abgeordnete, Obfrau ihrer Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, zudem eine Morddrohung erhalten. „Wir werden dafür sorgen, dass du linke antideutsche Ratte deinen Geburtstag nicht mehr erleben wirst“, stand in dem Schreiben, das in den Briefkasten des Saalfelder Abgeordnetenbüros gesteckt worden war.

Bereits Anfang der 1990er Jahre, als sich Thüringen innerhalb kurzer Zeit zum Zentrum der deutschen Neonaziszene entwickelte, waren Saalfeld und Rudolstadt die Hochburgen rechter Gewalt im Freistaat. Von hier stammt auch der harte Kern des „Thüringer Heimatschutzes“, dem organisatorischen Zusammenschluss der Nazi-Kameradschaften, dem das spätere NSU-Trio angehörte. Polizei und Extremismusexperten des Freistaats sehen dann auch deutliche Parallelen zwischen der jetzigen Situation im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und den damaligen Zuständen: eine rasant wachsende Szene, eine offen zur Schau gestellte Aggressivität und Gewaltbereitschaft sowie ein koordiniertes Vorgehen organisierter Nazigruppen. Auffällig dabei ist, dass auch ehemalige „Heimatschutz“-Mitglieder, die sich seit Jahren aus der Szene zurückgezogen hatten, wieder mit ihren jüngeren Gesinnungsgenossen gemeinsam auf die Straße gehen.

„Wir erleben eine Art Renaissance des Thüringer Heimatschutzes unter neuem Namen“, sagt auch Katharina König. Wie vor 20 Jahren sei nicht nur in der Region Saalfeld ein sich schnell steigernder Radikalisierungstrend zu beobachten, der von rechten Parteien angeheizt wird. „Diejenigen, die Heime anzünden, Flüchtlinge und deren Unterstützer angreifen und rassistische Parolen schmieren, verstehen sich als Vollstrecker eines angeblichen ‚Volkswillens‘, der von rechten Populisten auf den Demonstrationen von Thügida und AfD in Erfurt und anderen Thüringer Städten propagiert wird“, sagt die Abgeordnete.