Wir dokumentieren hier die Chronik rechter Gewalt in Saalfeld und Umgebung seit 1992, die bis Ende 2011 von der Antifa Saalfeld immer wieder aktualisiert wurde.
Doch auch nach 2011 gab es Naziaktionen, Demonstrationen, Übergriffe und Einschüchterungen. Wir bemühen uns, diese Daten zu zusammenzutragen und in dieser Chronik zu dokumentieren.
Wenn du Informationen zu Übergriffen und Naziaktionen hast, dann lass uns diese bitte über die Kommentarfunktion oder per Email zukommen!

Vorbemerkung der „Antifa Saalfeld“
Diese „Chronik rechter Gewalt in Saalfeld und Umbegebung seit 1992″ wurde von der AG Aufbruch (Saalfeld) im Juli 2006 herausgegeben. Sie möchte auf die Präsenz neonazistischer Gruppierungen und deren Aktionen in Vergangenheit und Gegenwart aufmerksam machen. Sie ist geschrieben für alle, die meinen, dass in unserer Region „nichts los“ sei oder alles übertrieben würde. Die Chronik ist subjektiv gefärbt, da sie von betroffenen Jugendlichen zusammengestellt worden ist. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Angriffe auf Immigranten, Punks, kurz: Personen „undeutschen“ Aussehens, werden außen vor gelassen. Sie gehören in deutschen Kleinstädten mittlerweile zur Regel.
Seit 2006 wird sie von der Antifa Saalfeld aktualisiert und dabei werden rechte Übergriffe dokumentiert. Denn im Vergleich zu den 90ziger Jahren sind diese nicht mehr alltäglich und demzufolge in dieser Chronik aufzunehmen.

2016

März

29.03.2016
Ca. 120 Neonazis folgen dem Aufruf von Thügida und versammeln sich auf dem Saalfelder Markt zur einer Demonstration.
Ihnen Gegenüber stehen ca. 350 Gegendemonstrant*innen.

April

02.04./03.04.2016
In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wird in der Saalstraße ein alternativer Jugendlicher von drei Neonazis attackiert, u.A. mit Schlägen auf den Kopf. Zwei der Angreifer konnten durch mehrere Zeugen identifiziert werden. Es handelt sich hierbei und Phillip K. und Steven H. aus Gorndorf.
Der Angegriffene musste zwei Tage im Krankenhaus bleiben.

02.04.2016
Phillip K., Steven H. und weitere Neonazis standen vor der Haustür eines alternativen Jugendlichen in Unterwellenborn.

04.04.2016
Rudolstadt
Ca. 100 Neonazis folgen dem Aufruf von Thügida und versammeln sich auf dem Busbahnhof neben dem Platz der Opfer des Faschismus in Rudolstadt. Es folgt eine Demonstration. Auch hier gab es einen Gegenprotest mit ca. 300 Menschen.

09.04.2016
Während einer Kundgebung der Kampagne „Last days of april“ mit dem Titel „Deutsche Täter sind keine Opfer! Gegen Geschichtsrevisionismus und nivellierendes Gedenken“, provozierten die Neonazis Max W. und Felix R. als auch Kevin G., Steven H. Phillp K sowie dessen Vater aus vorbeifahrenden Autos heraus die Kundgebungsteilnehmer_innen. Die Polzei stoppte einen Wagen und verteilte Platzverweise.

Im Anschluss wurde ein Mitglied des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt“ auf dem Heimweg in einem Gordorfer Supermarkt vom Neonazi Max W. und ca. 4 weiteren Personen die der rechten Szene zuzuordnen sind, angesprochen und bedroht. Sie machten Fotos vom Fahrzeug des Bedrohten und kündigten an „sich bald wieder zu sehen“.

11.04.2016
Kevin G., Max W., Felix R. weitere) versuchten zwei junge Antifaschist*inne durch klopfen an Fenstern und der Haustür an deren Wohnung einzuschüchtern. Danach zogen sie noch kurz durch die Saalfelder Innenstadt.

15.04.2016
Gegen 20:00 Uhr drangen mehrere Neonazis ins Stadtteilzentrum Gorndorf ein, rissen Plakate der Kampagne „Last day of april“, die sich kritisch mit Saalfeld im Nationalsozialismus auseinandersetzt, ab und entwendeten Flyer. Danach fingen sie an im Foyer zu randalieren. Der einzige noch Anwesende Sozialarbeiter konnte sich unverletzt in ein Büro flüchten. Es war der gleiche Mensch, den Neonazis am 09.4.2016 in einem Supermarkt einschüchtern wollten.
Nach derzeitigen Erkenntnissen handelt es sich bei den Angreifenden um Max W. und Steven H.

16.04.2016
Gegen 20:00 Uhr greifen mehrere Neonazis aus Gorndorf und Kahla, u.A. Felix R., Max W. und Antonio S. (aus Kahla) mehrere alternative Jugendliche am Saalfelder Bahnhof an.
Dabei wurde auch eine Flasche nach einem Jugendlichen geworfen, die seinen Kopf knapp verfehlte.

17.04.2016
In der Nacht vom 17.04.2016 zum 18.04.2016 legten Unbekannte Pyrotechnik an die Eingangstür des Jugend- und Wahkreisbüros Haskala (Die Linke, MdL Katharina König) und verrußten diese.

24.04.2016
Max W. und seine Kameraden verteilen in Saalfeld Gorndorf flächendeckend Flyer der Neonazipartei „Der dritte Weg“, die den faschistischen Aufmarsch am 1.Mai 2016 in Plauen berwerben.

26.04.2016 Saalfeld
Max W., Felix R., Steven H. und drei weitere Kameraden stehen am späten Nachmittag vorm Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf und suchen den Sozialarbeiter, den sie am 09.04.2016 in einem Gorndorfer Supermarkt bedroht und am 15.04.2016 im Jugendzentrum gesucht hatten. Die anwesenden MitarbeiterInnen sprachen ein Hausverbot aus, was die Nazis ignorierten. Sie drohten an, am kommenden Freitag (dem Tag der antifaschistischen Demonstration in Gorndorf) das Jugendzentrum anzuzünden und das sie sich den Sozialarbeiter „am Rewe krallen“ können.

Am gleichen Abend gegen 20:30 Uhr jagte der Neonazi Felix R. zwei alternative Jugendliche mit einem Teleskopschlagstock durch Gorndorf. Die Betroffenen konnten unverletzt entkommen.

2015

Mai

01.05.2015 Saalfeld
Nazidemonstration von „Der III. Weg“ in Saalfeld mit 600 Teilnehmern.
Ca. 100 Neonazis ziehen vom Bahnhof richtung innenstadt und greifen dabei 6 Menschen an, von denen 3 schwere Verletzungen erleiden und zum Teil stationär behandelt werden mussten.

Oktober

02.10.2015 Rudolstadt
Ca. 350 Neonazis und RassistInnen folgten dem Aufruf des Saalfelder Kreistagsmitglieds Mandy Meinhardt (NPD) und versammelten sich in unmittelbarer Nähe zur Unterkunft für Geflüchtete in Rudolstadt um gegen die Asylpolitik zu hetzen. Ihnen gegenüber standen ca. 250 Gegendemonstrant*innen.

02.10.2015 Saalfeld
Eine 16-Jährige lief am 2. Oktober gegen 20:30 Uhr in der Darrtorstraße entlang. In Höhe der Mauer neben einem Kosmetikstudio wurde sie durch zwei vermummte Männer angegriffen, teilte die Polizei mit. Die Personen beschimpften sie als „Zeckenfotze“ und einer der Täter schlug die Jugendliche ins Gesicht. Während sie zu Boden fiel, wurde sie von dem zweiten Unbekannten mehrfach gegen die Beine getreten. Danach rannten die Täter in Richtung Zentrum davon.

04.10.2015 Saalfeld
Am Abend lief eine 17-Jährige in der Sonneberger Straße in Richtung Garnsdorfer Straße entlang. Als sie sich etwa auf der Höhe des Einkaufsmarktes in der Sylvester-Lieb-Straße befand, hielt ein PKW neben ihr. Der Beifahrer des Fahrzeuges stieg aus und lief auf die Jugendliche zu und beschimpfte sie als „Zeckenfotze“. Danach wurde sie von ihm getreten, so dass sie stürzte. Der fremde Angreifer stieg wieder in das Fahrzeug und fuhr in Richtung . Bei dem Fahrzeug soll es sich um einen dunklen Kleinwagen im Saalfelder Kennzeichen handeln, in dem drei Personen saßen.

Oktober 2015 Rudolstadt
Im Stadtzentrum von Rudolstadt wurde Anfang Oktober ein junger Syrer rassistisch beleidigt und angegriffen. Er kam mit leichten Verletzungen davon

09.10.2015 Saalfeld / Rudolstadt
In der Nacht zum 9. Oktober sprühten Neonazis ein Hakenkreuz, einen riesigen Davidstern und das Wort „Judenhure“ an das Wahlkreisbüro von Katharina König (MdL) in der Saalfelder Saalstraße. Auch ein Haus in der Nähe wurde mit dem Wort „Jude“ und „Antifa Ha Ha“ markiert. An die Rohre einer Fernwärmeleitung in Rudolstadt schmierten die Täter unter Bezug auf die Vernichtungslager der Nazis die Losung „Frau K. in den Ofen“ und Hakenkreuze.

November

01.11.2015 Rudolstadt
Bis zu 500 Neonazis und Rassisten/Innen, unter ihnen auch Anhänger des Leipziger Fußballvereins LOK Leipzig, dessen Fankultur von Neonazis unterwandert ist, kamen zu einem Fackelmarsch gegen die Rudolstädter Gemeinschaftsunterkunft für Gelfüchtete zusammen. Die lokale Versammlungsbehörde untersagte nicht das tragen der Fackeln, sondern beschränkte per Auflage nur die Anzahl, trotz unmittelbarer Nähe zur Unterkunft.
Ca. 650 Menschen stellten sich in Solidarität mit den Geflüchteten und gegen die Nazis vor die Unterkunft. Ein Blockadeversuch von Antifaschist*innen wurde von der Polizei gewaltsam unterbunden. Die Nazis konnten die Unterkunft mit ihren Fackeln umrunden. Dabei kam es auch zu einer versuchten Körperverletzung eines rechten Versammlungsteilnehmers gegenüber einer jungen Gegendemonstrantin.
Fotos von Sören Kohlhuber

2014

08.09.2014 Saalfeld
Im Landtagswahlkampf will die NPD auch auf dem Saalfelder Markt eine Kundgebung abhalten. Aus Angst vor Antifaschist*innen verlegen sie ihre Kundgebung nach Gorndorf und konnten diese dort mit ca. 20 AnhängerInnen abgeschirmt durch die Polzei abhalten.
Auf dem Saalfelder Marktplatz fanden ca. 250 Gegendemonstrant*innen zusammnen.

10.09.2014 Rudolstadt
Im Rahmen der NPD Wahlkampftour stopten die Neonazis auch in Rudolstadt. Auf ihrer Kundgebung kamen ca. 20 Kameraden und Kameradinnden zusammen. Ihnen gegenüber standen ca. 150 Gegendemonstrant*innen.

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2011

Januar
In der Saalstraße in Saalfeld wurden mehrere Hakenkreuz-Graffiti angebracht.

16.01.
Eine alternative Jugendliche wurde von einer Gruppe Nazis beleidigt und bedroht. Sie konnte sich dem drohenden Übergriff entziehen.

Februar
Der neugegründete „Thüringer Heimatschutz 2.0“ brachte mehrere Transparente und Aufkleber mit Bezug auf den Trauermarsch in Dresden in der Region an. Außerdem berichteten sie auch von einer Flyeraktion um nach Dresden zu mobilisieren.

06.02.
Maximilian „Max“ Lemke spielte in Schmiedefeld im „Ostfeld 0“.

19.02.
Lokale Nazis fuhren in einem Reisebus nach Dresden um dort an der alljährlichen Demonstration nach dem Trauermarsch teilzunehmen. An diesem Tag griffen auch etwa 200 Nazis ein linkes Wohnhaus in Dresden-Löbtau an.

05.03.
Ein Nazikonzert mit 3 Bands und ca. 50 Teilnehmer_innen aus Thüringen, Bayern und Sachsen wurde in Deesbach (Schwedenschanze) von der Polizei verhindert. Daraufhin sollte eine Ersatzveranstaltung in Schmiedefeld (Ostfeld 0) statt finden, welche aber ebenfalls verhindert
wurde.

02./03.04.
Die Freien Kräfte Süddeutschland (FKSD) verteilten Flyer „Fremdarbeiterinvasion stoppen“ in Neuhaus.

09.04.
Das FN Saalfeld gedachte am 66. Jahrestag der Bombardierung von der Stadt Saalfeld auf dem städtischen Friedhof und legte einen Kranz nieder. Es nahmen unter anderem der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Patrick Trautsch und Mareike Bielefeld (Free Gender) teil.

20.04.
Drei Nazis (darunter zwei Jugendliche) wurden beim Plakatieren von verfassungswidrigen Inhalten und Schmieren von Hakenkreuzen in Kamsdorf von der Polizei festgenommen.

14.05.
Der geplante Ausflug, mit einem Reisebus zur Wewelsburg zu fahren, musste kurzfristig ausfallen. Deswegen trafen sich Nazis aus ganz Thüringen auf der Saalfelder Höhe zu einer Wanderung und einem anschließenden Liedermacherabend.
Mehrere Nazis griffen einen alternativen Jugendlichen in Saalfeld gewalttätig an.

11.06.
„Kategorie C“ spielte vor 250 Nazis ein Konzert im „Alten Labor“ in Unterwellenborn.

26.06.
Das FN Saalfeld verteilte an den Feengrotten in Saalfeld Flyer, welche sich auf den Kindesmord an Mary-Jane in Zella-Mehlis bezogen. Der V.i.S.d.P. auf den Flyern war Steffen Richter.

10.07.
„Die Jungz“ spielten im Rahmen des Frühshoppens nach einer Rocker-Hochzeit im „Alten Labor“ in Unterwellenborn.

Juli
Das FN Saalfeld verteilte in Bad Blankenburg Flyer in denen gegen einen Kinderschänder gehetzt wird.

Ende August
Es kam in der Region zu vermehrten Plakatierungen und Kleben von Aufklebern durch Nazis.

03.09.
In Unterwellenborn fand ein Nazikonzert mit ca. 120 Besucher_innen, welche unter anderem aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachen und Sachsen-Anhalt kamen, statt. Die Veranstaltung ersetzte wohl die angekündigte Neueröffnung vom „Memphis“ im Saale-Orla Kreis, bei der „Bunker 16“, „Selbststeller“, „I don‘t like you“ und „Old Glory“ spielen sollten.

10.09.
Ebenfalls im „Alten Labor“ traten rechte Bands vor ca. 80 Nazis auf. Das Konzert wurde von „Aggressive Zone Records“ organisiert und unter anderem vom Germania-Versand (Inhaber: Patrick Weber, NPD) beworben. Es spielten „Die Jungz“, „Old Glory“, „Last Riot“, „Verboten“ und „Ostfront“.

12.11.
Nach dem „5. Treffen der Generationen“ mit ca. 50 Nazis im „Alten Labor“ in Unterwellenborn spielten der Liedermacher „Barny“, „Bisson & Anna“ aus Schweden und „Projekt W.“ vor rund 80 Rechten aus Thüringen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

03.12.
„Kategorie C“ spielte wie üblich zum Jahresende noch einmal im „Alten Labor“ in Unterwellenborn.

04.12.
Eine Gruppe alternativer Jugendlicher wurde aus einem Auto heraus angepöbelt und mit dem Hitlergruß bedacht.

10.12.
Unter anderem spielten „Sleipnir“ und „Ostfront“ auf einer Geburtstagsfeier von Steffen Richter im „Alten Labor“ vor ca. 180 Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet.
In der Saalfelder Innenstadt bedrohen mehrere Nazis eine Person und zeigten den Hitlergruß.

22.12
In Schmiedefeld (Ostfeld 0) fand ein „Wintersonnenwendfeuer“ statt. Plakate, die dafür geworben haben, hingen unter anderem auch in AWO-Einrichtungen.

Dezember
Die NPD-Zeitung „Saale-Stimme“ wurde in einigen Orten der Region verteilt und im Zuge dessen wurden ebenfalls rechte Aufkleber geklebt.

2010

06.02.
Im Pößnecker Schützenhaus spielten die Bands 12 Golden Years, Frontal 18 und Krakus Interruptus vor ca. 150 Nazis.

05.05.
In der Nacht zum Donnerstag, den 06.05.2010, wurden gegen 00.00 Uhr die Schaufensterscheiben vom Jugend- und Wahlkreisbüro Haskala von MdL Katharina König der Fraktion DIE LINKE in Saalfeld eingeworfen. Außerdem wurde ein altes Leberwurstglas, mit Buttersäure gefüllt, gegen ein Fenster geworfen.
Die zwei vermummten Thor Steinar-Träger sind anschließend wahrscheinlich in einem silbernen Opel Corsa mit Apoldaer Kennzeichen geflüchtet.

15.05.
Die Rechtsrock-Band „Noie Werte“ spielte im Vereinshaus der „Red Devils“ in Unterwelleborn vor ca. 75 Nazis.

12.06.
Auf dem von Steffen Richter angemeldeten „Thüringentag der nationalen Jugend in Pößneck“ spielten die Bands „Aufbruch“, „12 Golden Years“, „Thirma“ und der Liedermacher Maximilian Lemke. Als Redner traten Patrick Weber, Tobias Kammler, Mareike Bielefeld, Thomas „Steiner“ Wulff, Maik Müller, ein Vertreter des „Freien Netz Süd“ und ein „Aktivist“ aus Altenburg auf. Etwa 120 Nazis besuchten die mit 2 Stunden verspätete Veranstaltung. (mehr Infos: Recherche-Ost )

19.06.
Bei einer Open-Air Veranstaltung auf dem Gelände der „Red Devils“ trat zum wiederholten Male die Naziband „Kategorie C“ auf.

Juli
Zwei Männer und eine Frau aus der rechtsradikalen Szene im Raum Kahla-Pößneck-Jena werden bei einem versuchten Brandanschlag auf Bus, der auch von der Linken-Szene genutzt wird, in Saalfeld von der Polizei festgenommen. Es folgten mehrere Razzien und Überwachungsmaßnahmen bei den Nazis durch den Staatsschutz der Saalfelder Polizei

13.07.
Die Homepage des NPD-Kreisverbands Saalfeld-Rudolstadt geht online.

23.07.
Die Homepage des FN Saalfeld geht online.

24.07.2010
Im Hof des Schützenhauses in Pößneck fand ein kurzfristiges Open Air mit den Bands „Nordglanz“, „Endless Pride“ und „Kinderzimmerterroristen (KZT)“ statt. „12 Golden Years“ war außerdem angekündigt worden. Die Bands wurden einer Veranstaltung in Hildburghausen abgeworben. Das Konzert besuchten etwa 180 Nazis.

November
Im Vorfeld des 20. antirassistischen und antifaschistischen Ratschlags tauchen im Stadtgebiet vermehrt Nazi-Aufkleber auf.

14.11.
Auch die „Freien Kräfte“ Saalfeld legten Kränze anlässlich des Volkstrauertag in einem Dorf im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt nieder.

04.12.
Auf einem Soli-Konzert für das „Braune Haus“ in Jena spielten die Bands „Frontalkraft“, „Ostfront“, „Hermunduren“ und „KZT“. Steffen Richter meldete das Konzert im Vereinshaus der „Red Devils“ als private Geburtstagsfeieran. Etwa 200 Nazis besuchten die Veranstaltung.

11.12.
Ebenfalls im Vereinshaus der „Red Devils“ spielte „Kategorie C“ vor ca. 200 Nazis.

2009

28.3.
Im Schützenhaus Pößneck soll ein Nazi-Konzert stattfinden. Dies wird durch das Ordnungsamt verhindert. Auch die Versuche, daraufhin ein Open-Air-Konzert durchzuführen, scheiterten. Rund 20 rechtsextreme Personen erhalten Platzverweise, es kommt zu Festnahmen und Anzeigen aufgrund des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole.

Juni
Neuer Bewohner des Schützenhauses in Pößneck ist Andre Kapke aus Jena. Er ist maßgeblich am Aufbau von rechtsextremen Strukturen beteiligt. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Thüringer NPD betreibt er, vom Schützenhaus aus, einen intensiven Wahlkampf für die bevorstehende Landtagswahl.

August
Im ländlichen Raum fährt die NPD mit eigens umgebauten LKWs umher und versucht, Wähler zu mobilisieren.

5.8.
Das Wahlkampfteam der NPD stört mit Lautsprecher-Ansagen, provokativen Gesten und Zwischenrufen eine Wahlkampfveranstaltung der Partei DIE LINKE auf dem Pößnecker Viehmarkt.

11.8.
In Pößneck findet eine NPD-Kundgebung auf dem Marktplatz statt. Als Redner treten der Bundesvorsitzende Udo Voigt, der Spitzenkandidat Frank Schwerdt sowie Direktkandidat Peter Nürnberger auf. Begleitet wird die Wahlkampfveranstaltung vom Protest des Bündnisses „Auf die Plätze, fertig, bunt!“. Unmittelbar zu Beginn der Veranstaltung wird ein Redner mit einem NPD-Schild attackiert und leicht verletzt. Im Anschließenden Gerangel werden zwei Jugendliche der Gegenkundgebung festgenommen.
Später patrouilliert ein silberner PKW mit Jenaer Kennzeichen, vollbesetzt mit Neonazis, durch Pößneck. In der Gerberstraße greifen zwei Insassen einen Punk an, reißen ihn zu Boden und treten ihm ins Gesicht. Kurz darauf berichtet eine Augenzeugin von einer Hetzjagd auf einen dunkelhäutigen jungen Mann nahe des Netto Supermarktes. Des weiteren wird ein 19-Jähriger auf dem Nachhauseweg belästigt und geschlagen. Zwei Mitglieder einer linken Jugendgruppe werden am Abend von Nazis mit Totschlägern verfolgt.

19.8.
Im Zuge ihres Wahlkampfes meldet die NPD Wahlkampfveranstaltungen auf dem Marktplatz Saalfeld sowie vor dem Arbeitsamt an. Gegen 11Uhr versammeln sich allerdings rund 100 hauptsächlich jugendliche Gegendemonstranten zu einer spontan angemeldeten Gegenkundgebung vor dem Arbeitsamt. Daraufhin dreht der von Scouts informierte NPD-Wahlkampftross noch vor Saalfeld ab und sagt die beiden angekündigten Veranstaltungen ab. Die Gegenkundgebung verlagert sich daraufhin auf den Marktplatz, wo es im weiteren Verlauf zu Verhaftungen kommt. Gegen 14 Uhr wird die Veranstaltung aufgelöst. Ein Teil der Gegenkundgebung fährt daraufhin nach Rudolstadt, wo für den Nachmittag eine weitere NPD-Veranstaltung vor dem Amtsgericht angemeldet wurde. Zwar reist das NPD-Wahlkampfteam diesmal auch wirklich an, rund 60 Teilnehmer der Gegenveranstaltung verhindern allerdings das verteilen von Flyern und übertönen mit Sprechchören die rassistische Hetzte der Nazis. Als die Nazis abziehen wollen kommt es zu Rangeleien mit Gegendemonstranten und der Polizei, welche daraufhin Pfefferspray einsetzt.

12.9.
In Pößneck findet das „Fest der Völker“ statt. Mit 450 Neonazis bleibt die Teilnehmerzahl weit unter den angekündigten 2000. Der ursprüngliche Veranstaltungsort, der Viehmarkt, wird nach Verbotsverfahren zugunsten des Schützenhauses aufgegeben. Gegen das FdV, auf dem unter anderem Redner aus Tschechien, Spanien, Schweden, Großbritannien, Bulgarien und Zypern ihre Hetze verbreiten können, protestieren rund 1000 Gegendemonstranten.
Brandanschläge auf Bahnanlagen in der Nacht zuvor sorgen dabei für erhebliche Ausfälle im Zugverkehr, was die Anreise zahlreicher Nazis verhindert. Die Polizei, die das FdV mit einem Großaufgebot abschirmt, behindert während des gesamten Tages erheblich die Arbeit anwesender Journalisten. Im Verlauf der ansonsten weitgehend friedlichen Gegenveranstaltungen und Blockaden wird der Anmelder des FdV, Andre Kapke, durch Steinwürfe leicht am Kopf verletzt.

5.12.
In Saalfeld findet erneut ein Konzert der Band „Kategorie-C Hungrige Wölfe“ statt. Als Veranstalter tritt die Unterwellenborner Firma „Hera-Montageservice“ mit Unterstützung der rechten Modenmarke „Eric and Sons“ auf. Inhaber der Firma Hera ist Andreas Rachhausen, in den 90er Jahren einer der führenden Nazikader im Landkreis. Veranstaltungsort des Konzertes ist das Aris-Center, ein kuzfristiger Verbotsantrag der Stadt Saalfeld wird vom Verwaltungsgericht in Gera abgelehnt. Die Polizei führt massive Vorkontrollen durch, am Ende versammeln sich rund 100 Rechtsradikale und Hooligans.

2008

20./21.1.
In Bad Blankenburg verteilt die NPD Aufkleber und Flyer in Briefkästen

8./9.3.
In Cursdorf findet von der Öffentlichkeit unbemerkt im “Panorama-Hotel Cursdorfer Höhe – Gasthof Leimrute“ ein NPD-Spitzentreffen mit Delegierten aus dem gesamten Bundesgebiet statt.

9.3.
Am gleichen Tag startet ein Bus der LWW-Bustouristik mit vorwiegend älteren Insassen aus der Umgebung zu einer von der DVU organisierten Lesung. Thema: Augenzeugen schildern Kriegserlebnisse aus dem 2.Weltkrieg. Der Veranstaltungsort bleibt unklar.

20.8.
Während des “Morgenrot“-Open-Airs wird das ehemals besetzte Schlossberg 1 sowie das Klubhaus mit Hakenkreuzen und rechten Parolen beschmiert.

Ende August
Im Stadtgebiet Saalfeld fallen verstärkt Aufkleber der JN (’Junge Nationaldemokraten’, Jugendorganisation der NPD) auf, auf denen Parolen wie „Dieses System bringt den Volkstod“, „Ausbildung statt Überfremdung!“ und „Revolutionär.sozialistisch.aktivistisch.“ skandiert werden.

September
Mit einem Liederabend und Reden des Landesvorsitzenden der Thüringer JN, Christian Kaiser und des NPD-Landesvorsitzenden Frank Schwerdt wird in Rudolstadt ein JN-Ortsverband für den Kreis Saalfeld-Rudolstadt gegründet, welcher laut JN-Bundesseite zu diesem Zeitpunkt 10 ’Aktivisten’ umfasst. Als Gruppenleiter wird Andreas Eichler vorgestellt. Die angegebene Kontaktadresse in Rudolstadt stellt sich dabei als Scheinadresse heraus.

Oktober
Laut OTZ gründet sich in Gräfenthal ein DVU-Ortsverband, welcher anfangs jedoch recht zerstritten zu sein scheint. Nichtsdestotrotz lässt die OTZ dabei Gründungsmitglieder kommentarlos zu Wort kommen und zeigt sich so als Plattform für rechts-konservative Parolen.

2007

10.2.
In Kleindemmbach findet der Landesparteitag der JN, der Jugendorganisation der NPD, statt.

20.4.
Acht Nazis verprügeln vier Jugendliche auf dem Saalfelder Markt.

August
Jugendliche werden, v.a. in der Saalfelder Innenstadt, vermehrt aus dem Auto heraus mit dem Hitlergruß und „Heil Hitler“ – Rufen belästigt.

08. 09.
In Jena findet zum dritten Mal das „Fest der Völker“ statt. Für die Absperrung des Geländes des Nazifestes sorgt dabei eine Saalfelder Firma.
Am Abend des 8. September werden Demonstranten auf dem Saalfelder Bahnhof von Nazis attackiert, ein Jugendlicher muss sich daraufhin zur Behandlung ins Krankenhaus begeben.

8.12.
In Fröbitz bei Bad Blankenburg findet der Landesparteitag der Thüringer NPD statt.
Neben dem thüringischen Landesgeschäftsführer und Veranstalter Patrick Wieschke sind auch der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt sowie der Bundesgeneralsekretär Peter Marx zugegen.
Dem stellen sich rund 60 Gegendemonstranten entgegen. Die anfängliche Blockade der Zufahrtsstrasse wird durch die Polizei geräumt, eine anschließende Spontandemo nach Fröbitz endet mit einer Kundgebung vor dem Veranstaltungsort, dem „Fröbitzer Hof“.

2006

• 14.01.
Ein JN-Stützpunkt existiert im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Hier engagiert sich der Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Thomas Wienroth aus Rudolstadt, der in der extrem rechten Szene besser unter dem Namen „Maggi“ bekannt ist. Auf dem JN-Bundeskongress am 26. November 2005 in Chemnitz wurde Wienroth als Vertreter des Landesverbandes Thüringen in den Bundesvorstand der JN als Beisitzer gewählt. Wienroth hat bereits das „Sturmlokal“ der Saalfelder Kameradschaft in Saalfeld-Gorndorf angemietet. Er und seine 70 jungen Mitstreiter des NPD-Kreisverbandes Saalfeld-Rudolstadt, die mit dem Organisieren von „familiären Wintersonnenwendfeiern im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt“ und anderen kulturellen ‚Events’ schon einige Erfahrung gesammelt haben, gründen am Sonnabend, dem 14. Januar 2006, in Ammelstädt den Landesverband Thüringen der JN. Als Gäste kommen der Fraktionsvorsitzende der NPD im sächsischen Landtag Holger Apfel und Frank Schwerdt.

• 01.07.
In Ammelstädt/Rudolstadt findet unter massivem Polizeiaufgebot der Landesparteitag der Thüringer NPD statt. Dieser steht unter dem Motto „Heimat ist mehr als nur ein Standort“. Mehr als 100 Delegierte und Gäste finden sich ein. Zu den Gästen zählt, neben dem Landesvorsitzenden Mecklenburg-Vorpommerns Stefan Köster, u.a. auch der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt. Unter Beifall wird bekannt gegeben, dass die Thüringer NPD inzwischen über 437 Mitglieder verfüge. Frank Schwerdt wird bei der anschließenden Neuwahl des Landesvorstandes nahezu einstimmig in seinem Amt bestätigt. Als Stellvertreter steht ihm wie bisher Ralf Wohlleben aus Jena zur Seite. Zu den Beisitzern werden Martin Rühlemann, Patrick Wieschke, Patrick Weber, Sebastian Reiche, Thorsten Heise, Jan Morgenroth und Hendrik Heller gewählt.
Gegen 19 Uhr lässt die Polizei mitteilen, dass der Parteitag nunmehr beendet sei, aufgrund des Auftrittes eines Liedermachers und einer „nationalen Musikgruppe“. Im Anschluss findet eine Demonstration der NPD-Mitglieder direkt vor dem Gebäude der Polizeiinspektion Rudolstadt statt. Udo Voigt, Frank Schwerdt und der Saalfelder Kreisvorsitzende Sandro Tauber halten Reden.

• Juni – August
Es kommt vermehrt zu Sachbeschädigungen und Übergriffen auf das der linken Szene zugeordnete Klubhaus und das `Salem´. Am 05.08. wird eine Person dabei verletzt.

2005

• 14.01.
Am Abend des 14. Januar findet in einer Gaststätte in Saalfeld ein rechtes Skinheadkonzert statt, dass von etwa 100 Personen besucht wird. Die in der Gaststätte versammelten lassen sich zum überwiegenden Teil dem rechtsextremistischen Spektrum Thüringens zuordnen, allerdings finden vereinzelt auch Personen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern den Weg zu der Veranstaltung. Gegen einen Teilnehmer wird wegen „Heil Hitler“ – Rufen eine Anzeige aufgenommen, bei einer weiteren Person stellen die anwesenden Polizeikräfte einen Dolch und eine Machete sicher. Angaben im Internet zufolge traten bei dem Konzert vermutlich die Skinheadbands „Blutstahl“ aus Jena, „Bataillon“ aus Gotha sowie „Legion Germania“ aus Bayern auf.

• 11.03.
In Ammelstädt findet ein Nazikonzert im Rahmen einer Saalveranstaltung des JN-Kreisverbandes statt. Betreiber ist Thomas Treutler.

• 11.06.
Am 11. Juni, als in Jena das nationalsozialistische „Fest der Völker“ zelebriert und vorzeitig beendet wird, verlagern einige Teilnehmer Anschluss ihr Konzert nach Gorndorf. Dort spielt dann die holländische Rechtsrock Band „Brigade M“, deren Mitglieder für eine Reihe von rassistischen und antisemitischen Aktionen verantwortlich und zum Teil vorbestraft sind. Gemeinsam mit zwei anderen rechtsextremen Bands aus dem Raum Thüringen begeisterten sie etwa 80 Neonazis.
Die Räumlichkeiten, welche in Gorndorf ursprünglich als Lagerräume von der Stadt angemietet wurden, sollen den Betreibern nach einer fristgemäßen Kündigung eigentlich noch bis zum 30. September zur Verfügung stehen. Nach dem 17. Juli werden sie jedoch fristlos gekündigt, können aber erst im Oktober geräumt werden.

• 16.07.
Am 16. Juli löst die Polizei in Saalfeld-Gorndorf eine Feier/Konzert er rechtsextremistischen Szene, an der sich ca. 40 Personen beteiligten, auf. Die Polizei stellt ein Luftgewehr, Mehrzweckeinsatzstöcke, „Tonfa“ und 63 CDs sicher, deren Inhalt auf strafrechtliche Relevanz überprüft wird.

• 07.09.
„Schulhof-CDs“ der NPD tauchen in Saalfeld und im Umland auch in Pößneck und Ranis auf.

• Bundestagswahl 2005
- NPD-Stimmen Saalfeld: 4029 (5,1%)
- NPD-Stimmen Rudolstadt: 3939 (5,0%)
- NPD-Stimmen für Kandidaten Uwe Bäz-Dölle (DVU Stadtrat Lauscha) im Wahlkreis 197 (Sonneberg, Saalfeld/Rudolstadt, Saale-Orla-Kreis):
8519 Erststimmen (4,8%)
8162 Zweitstimmen (4,6%)

• 24.11.
Konzert im Stadtteil Gorndorf, zu dem ca. 70 – 80 Personen aus ganz Thüringen und anderen Bundesländern anreisen.
Zudem wird berichtet, dass auch der NPD-Landesvorsitzende Frank Schwerdt Gorndorf besuchte.

2004

• 17.01.
In Ammelstädt (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) fand eine von Rechtsextremisten initiierte „Reichsgründungsfeier“ statt, anlässlich derer an die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 erinnert wurde. An der Veranstaltung sollen sich etwa 120 Personen beteiligt haben. Einem Beitrag auf den Internetseiten der NPD zufolge soll als Redner u.a. der Parteivorsitzende der NPD, Udo Voigt, einen Teil der Feier bestritten haben.

• 10.04.
Gedenkveranstaltung in Volkstedt/Rudolstadt.

• 08.05.
Saalveranstaltung in Dillstedt zum Thema „Tag der Befreiung“.

• 29.05.
„3. Thüringentag der Nationalen Jugend“
Veranstaltungsleiter: Ralf W.
Redner: Kurt Hoppe (Thüringer Landesvorsitzender der Deutschen Partei (DP)), Ivonne Mädel, Michael Burkert, Patrick Wieschke, Frank Schwerdt, „Kameradin Mareike“ (Mädelring Thüringen)
Musikalische Beiträge: Liedermacher „Aufrecht“ aus Österreich, „Kamerad Conny“, „Kamerad Max“, „T.H.O.R.“ (Schneeberg/Sachsen, kurzfristig abgesagt), „Blood Revenge“ (Westfalen)
Teilnehmerinnen: ca. 300 (NPD) – 26 Platzverweise + 4x Verstoß gegen das Versammlungsgesetz + 6 Straftaten + 20 Ingewahrsamnahmen
Zeitgleich findet auf dem Markt das „Pfingstfest“ statt, organisiert von der im Vorfeld gegründeten „Saalfelder Initiative für Zivilcourage“ und verschiedenen Vereinen Saalfelds. Unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters tobt hier die bunte Vielfalt, während die Nazis vor dem Stadttor mit ihrer drögen Veranstaltung kaum Beachtung finden. Am Abend zuvor wird deren Versammlungsplatz mit bunter Kreide gestaltet, damit den angereisten Faschisten deutlich wird, auf welchem Boden sie sich befinden.

• 24.07.
50 – 60 Personen finden sich in Ammelstädt (Landkreis Saalfeld/Rudolstadt) zur 5. „Thüringer Runde freier Nationalisten“ zusammen. Unter dem Leitsatz „Widerstand für Deutschland an allen Fronten“ widmet sich die Veranstaltung der ideologischen Schulung „Freier Nationaler Kräfte“. Einer Meldung im Internet konnte man im vorhinein entnehmen, dass neben einigen „Freien Nationalisten“ auch ein Kölner Neonazi, „Gauleiter“ des „Kampfbundes Deutscher Sozialisten“ (KDS), als Redner auftreten solle. Dieselbe Meldung benennt u.a. den Kreisverband Erfurt-Gotha-Nordhausen der NPD, den Landesverband Thüringen der „Deutschen Partei“ (DP) sowie verschiedene rechtsextremistische Kameradschaften aus dem Freistaat als Unterstützer des Treffens.

• 28.08.
KJO – Konzert (unter freiem Himmel) im Wald bei Bucha mit ca. 250 Teilnehmern und Bands wie Blitzkrieg, Blutstahl, Breakdown und 2 „Nachwuchsbands“ („Ehre und Stolz“ und „Scult“).

• 14.11.
Kranzniederlegung in Remschütz zum Volkstrauertag, die vom rechtextremistischen Spektrum dazu missbraucht wird, das nationalsozialistische Regime von der Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zu entlasten und die Wehrmacht zu glorifizieren.

2001

• 28./29.01.
Aktion Saalfelder Rechter gegen das „Klubhaus“ (OTZ-Artikel vom 30.01.2001)

• 21.03.
Beim Versuch u.a. der IG Metall-Jugend, in Saalfeld am 21. März 2001 im Rahmen des Internationalen Tages gegen Rassismus Informationsstände durchzuführen, passiert Unerwartetes. Zunächst problemlos genehmigt ruft einige Tage später die Stadtverwaltung zurück: Ob die IG Metall-Jugend die geplanten Stände räumlich verlegen könne, aus der Fußgängerzone heraus vor eine Buchhandlung am Markt.
Eigentlich kein Problem, doch bleibt die Frage nach dem „Warum“ unbeantwortet. Natürlich ahnt man etwas, und das wird dann am 21. März eindrucksvoll bestätigt: Durch die Ankündigung der Stände in der Lokalpresse aufmerksam geworden, hat die NPD Saalfeld nun ihrerseits eine Kundgebung in der Fußgängerzone angemeldet, erst als Infostand, dann (nach einem Gespräch mit der Genehmigungsbehörde) als Kundgebung. Inwieweit das Landratsamt das Recht des Erstanmelders bei dessen Ortsverlegung berücksichtigt hat, ist unbekannt. Auf jeden Fall aber werden dann die Infostände der IG Metall-Jugend, ihrer Partner und Mobit gut bewacht, mindestens 70 Polizisten sichern sie ab. Allerdings: Die NPD bleibt fern. Ihr ist es wohl nur „ums Prinzip“ gegangen. Dem Landratsamt ja vielleicht auch . aber um welches?

• 21.04.
Landesparteitag der NPD in Kamsdorf

• Knapp 15% der in Thüringen registrierten politisch motivierten rechten Kriminalitätsdelikte des Jahres 2001 werden in Saalfeld ermittelt. Damit liegt die Region in der Statistik noch vor Gera und Jena. In Zahlen sind es 196 erfasste Delikte. Die Vergleichszahl der „linken Delikte“: 7.
(Quelle: Thüringer Innenministerium (Hrsg.) – Pressemappe „Politisch motivierte Kriminalität 2001“, S. 11ff)

• Seit Jahren beobachtet der Thüringer Verfassungsschutz die „Sektion Saalfeld“ des „Thüringer Heimatschutzes“

2000

• 15.04.
Nach gescheiterten Rekrutierungsversuchen durch die JN kommt es wieder zu vermehrten Übergriffen. Die NPD versucht darauf für den Aufmarsch am 1. Mai in Weimar zu werben und verbreitet damit wieder ihre faschistische Hetze. Dabei werden auch Autos, Briefkästen und Tore von Leuten zugeklebt, die sich den Naziaktivitäten mehrfach entgegenstellten. Anschließend werden über die Osterfeiertage die Einschüchterungsversuche durch tägliches Zukleben von Briefkästen mit NPD Aufklebern und durch massive Drohungen fortgesetzt.

• 20.04.
Blankenburger Neonazis bedrohen Jugendliche in einem Park mit einem Messer. Ein linker Jugendlicher (A.K.) wird am gleichen Abend von einem Auto gestoppt und daraufhin zusammengeschlagen. Als Folge musste er sich zur Behandlung ins Krankenhaus begeben.

• 10.05.
D. Thiele aus dem Umfeld des „Thüringer Heimatschutz“ und der NPD schlägt in Bad Blankenburg einen Bürger chilenischer Herkunft zusammen. Noch zwei weitere Faschisten namens Trobnack und Schauseil schauen zu.
Der Vorfall wird, obwohl das Opfer erklärt, dass der Täter weder nach Alkohol roch, noch einen betrunkenen Eindruck machte, auf das Vergehen eines Alkoholisierten reduziert.

• 19./20.05.
An einer Gartenparty nehmen ca. 30 Nazis aus Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg teil. Im Umfeld wurden im Stadtpark 3 Antifas von 5 Faschisten aus den Reihen des „Schwarzaer Jungsturms“ belästigt und verbal attackiert. 2 Jugendliche wurden auf ihrem Weg nach Hause von mehreren Nazis in der Nähe der Party zusammengeschlagen.

• 15.07.
Zum alljährlichen Saalfelder Volksfestspektakel versammeln sich ca. 40-50 Nazis, die recht entschlossen scheinen, dass Saalfelder ‚Haus’ (besetztes Haus am Schlossberg, unweit des Rummelplatzes) zu stürmen. Die Faschisten versammeln sich ca. 0.00 Uhr in der Nähe vom ‚Haus’ und beginnen, die davor befindlichen AntifaschistInnen mit Steinen und Flaschen zu bewerfen. Sie versuchen immer wieder, das ‚Haus’ zu stürmen, die Angriffsversuche werden aber zurückgeschlagen. Die Polizei ist die ganze Zeit über präsent, erhält aber erst den Einsatzbefehl, als die Saalfelder Antifa schon einige Verletzte zu beklagen hat. Das ‚Einschreiten’ gilt jedoch den AntifaschistInnen und wird von den Nazis mit Beifall, Gegröle und Rufen wie „Vergast die Schweine“ unterstützt. Einige Zeit später beginnen zwei Saalfelder Anwälte, den ‚Belagerungsring’ der Polizei zu lösen. Dies ist aber nur mit einer Kompromisslösung, welche die Polizei fordert, möglich: Alle AntifaschistInnen müssen ihre Personalien angeben und die nicht im ‚Haus’ polizeilich gemeldeten Personen werden aufgefordert, das Gelände in Zweiergruppen zu verlassen.

1999

• 10.01.
Bad Blankenburg: Ein stadtbekannter Neonazi (D.Thiele) verprügelt in der Nacht einen Jugendlichen.

• 13.05.
Bad Blankenburg: Zwei Jugendliche werden von rechten Schlägern mit Autos gejagt.

• 13.05. (Männertag)
Im Wald nahe Bad Blankenburg werden von D. Thiele und Co. Wehrsportübungen abgehalten.

• 14.05.
Bad Blankenburg: Die Mutter eines „links aussehenden“ Jugendlichen (T.M.) wird abends von zwei rechten angegriffen. Dabei wird ihr am Arm eine Schnittwunde zugefügt.

• 20.06.
Bad Blankenburg und Umgebung werden mit NPD- und JN Aufklebern „zugepflastert“. Gehäuft werden diese in der Nähe der Schulen, des „Extra-Marktes“ und eines China-Imbiss angebracht. Auch später noch werden rassistische und faschistische Hetzparolen durch die städtischen Neonazis in Form von Flugblättern an Autos, in Briefkästen und Einkaufswagen, sowie durch die Austeilung von rechtsradikalen Zeitungen, weiter verbreitet.

• 09.07.
Die NPD betreibt einen Infostand in der Bad Blankenburger „Siedlung“. Dabei kommt es zu einem Angriff auf einen Deutschen ausländischer Herkunft. Dieser wird gewürgt und man versucht ihn zu berauben.

• 11.09.
Ein Jugendlicher wird während der Fahrt in seinem Auto angehalten und aus dem Auto gezerrt. Ihm wird immer wieder von D. Thiele mit der Faust auf den Kopf geschlagen und sein Bein in der Fahrertür eingequetscht. Seine schweren Verletzungen mussten daraufhin mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Die Täter sind die selben einschlägig bekannten Neonazis, die auch an dem NPD Stand beteiligt waren.

1998

• 14.03.
200 Naziskins und NPD-Mitglieder halten eine Kundgebung im Gewerbegebiet Watzenbach ab und marschieren anschließend durch den Innenstadtbereich von Saalfeld. Dabei sind Nazikader Frank Schwerdt aus Berlin sowie der ehemalige FAP-Vorsitzende Friedhelm Busse.
Etwa 3000 Polizisten verhindern den Ablauf der geplanten Antifademonstration mit 2500 Teilnehmern, die auf dem Bahnhofsvorplatz zusammengedrängt werden. Die Evangelische Kirche trägt zur Deeskalation bei, indem sie weiße Rosen an antifaschistische Demonstranten und Polizisten verteilt.
In dem von Rechten dominierten Stadtteil Gorndorf bringen bayrische USK-Einheiten die Antifademo von ihrer vom Landratsamt ohnehin eingeschränkten Route durch Gorndorf ab, um eine Verkürzung der Demoroute durchzusetzen.
Schon im Vorfeld haben einige Hundertschaften der Polizei mehrere Busse mit AntifaschistInnen an der Fahrt nach Saalfeld gehindert.
Das wegen Baufälligkeit geschlossene DDR-Gefängnis Unterwellenborn wird erneut mit vorbeugend inhaftierten AntifaschistInnen gefüllt. Nicht, weil diese straffällig geworden sind, sondern „vorbeugend“. 120 AntifaschistInnen werden in Unterbindungsgewahrsam bis morgens um drei Uhr festgesetzt.

• 29.03.
Artikel: Jungle World 3. April 1998 – Tödliche Rache in Saalfeld:
Nachdem in der thüringischen Kleinstadt die 14jährige Jana G. erstochen wurde, eskaliert die Stimmung zwischen rechten und linken Jugendlichen. Die Einschätzung war schnell getroffen: „Der Täter war ein Möchtegern-Rechter, der aber von der rechten Szene nicht richtig akzeptiert wird“, informierte Saalfelds Polizeisprecherin Liane Matthis über den 15jährigen, der am vergangenen Donnerstag in Saalfeld die 14jährige Jana G. erstach. „Ein politischer Bezug sei nicht gegeben“, sagte sie, um dann im nächsten Satz relativierend hinzuzufügen, dass dieser aber „auch nicht ganz auszuschließen“ sei. Nach einer ersten Vernehmung hatte der Täter ausgesagt, er habe Jana G. aus Rache getötet, weil sie ihm im vergangenen Herbst als „Scheißfascho“ bezeichnet habe.
Das Mädchen gehörte nach Angaben von Polizei und Saalfelder AntifaschistInnen zum Umfeld der linken Szene in der thüringischen Kleinstadt.
Jana G., die wie der Täter das Gymnasium im Stadtteil Gorndorf besucht hatte, war dem 15jährigen am Donnerstag gemeinsam mit einer Freundin zufällig auf der Straße begegnet. Jana G. befand sich auf dem Weg zum „linken“ Klubhaus, als sie vor einem Treffpunkt der rechten Skinheadszene in Gorndorf, einem Ladenkomplex mit zugehöriger Trinkhalle, angehalten und angepöbelt wurde. Den verbalen Beschimpfungen folgten Prügel. Innerhalb kürzester Zeit zog der Täter dann ein Butterflymesser, mit dem er Jana G. zweimal in den Hals stach. Das Mädchen verblutete im Krankenwagen auf dem Weg ins Hospital. Der 15jährige flüchtete zunächst, wurde dann aber nach Angaben der Polizeisprecherin von zwei Jugendlichen aus der rechten Clique verfolgt und bis zum Eintreffen der Polizei von Ihnen festgehalten. Er war erst wenige Tage vorher aus der Psychiatrie entlassen worden, wo man ihn wegen „seiner Neigung zur Gewalttätigkeit“ behandelt hatte. Nach dem Mord eskalierte die Situation in der Stadt weiter. Jugendliche aus der linken Szene, die am Tatort eine Mahnwache durchführen wollten, wurden dort von Naziskins angegriffen und verprügelt.

• 24.12.
Eine Saalfelder Sozialarbeiterin wird verbal gedemütigt und hangreiflich attackiert.

• 31.12.
Bad Blankenburg: Eine Gruppe Jugendlicher, die zusammen Silvester feiern wollten, wird von mehreren Faschisten gejagt. Dabei werden sie mit Steinen beworfen und einer von ihnen zusammengeschlagen. Kurz nach Mitternacht wir ein zweiter Jugendlicher gewalttätig angegriffen.

1996

• Juli
Wie im Vorjahr versammeln sich Neonazis aus der Region auf dem Rudolstädter Volksfest.

• Gründung des „Thüringer Heimatschutz“ durch Tino Brandt

• 1996 bildet sich um Brandt der „Deutsche Freundeskreis“ (DFK), dessen Hauptbetätigungsfeld die Rekrutierung und Vernetzung rechtsextremer Jugendlicher im Raum um Saalfeld und Rudolstadt ist.

• September
Neonazis besetzen in Saalfeld ein altes Fabrikgelände, das später von der Polizei geräumt wird, aber den Anstoß für eine Kampagne zur Schaffung eines „Jugendzentrums“ bildet.

1995

• Juli
70 Neonazis aus der Region versammeln sich auf dem Rudolstädter Volksfest und vertreiben unter Androhung von Gewalt alle, die nicht in ihr Weltbild passen.

• 10.09.
Eine Gedenkfeier vorwiegend älterer Antifaschisten wird durch eine Bombenattrappe gestört. Die Gedenkenden werden von Anwesenden Neonazis beschimpft.

1994

• 30.04.
150 Rechte aus dem gesamten Bundesgebiet feiern die Walpurgisnacht am Ortseingang Saalfeld und verteilen Propagandamaterial.

• 14.05.
Rudolstadt: 350 Rechte versammeln sich zu einem angemeldeten und genehmigten Konzert mit Bands wie „Oithanasie“ oder „Standarte“.

1993

• 11.-13.06.
Die Vereine „Deutsches Kulturwerk europäischen Geistes“; „Freundeskreis Ulrich von Hutten“ und die „Notgemeinschaft für Volkstum und Kultur e.V.“ halten unter dem Schutz einer Ordnergruppe der Wikingjugend und der Polizei eine Veranstaltung in einem Hotel nahe Saalfeld ab. Der Einspruch kirchlicher Stellen bei Bundes- und Landesinnenministerium gegen diese Veranstaltungen wird abgebügelt.
Junge Antifaschisten werden am Nachmittag des 13.06. nach einer Auseinandersetzung mit der Wikingjugend verhaftet. Später (November ’93)
Kommt es zu Anklagen wegen Landfriedensbruches gegen die Jugendlichen. Die Prozesse enden mit Freisprüchen.
Die Mitglieder der Wikingjugend kommen vollkommen unbehelligt davon.
1992

• 18.01.
Ein 50jähriger Rechtsradikaler schießt in Saalfeld auf russische Soldaten. Als die Militärs den Attentäter stellen wollen, fährt er sie mit seinem Auto nieder. Zwei Soldaten werden dabei schwer, einer leicht verletzt.

• 17.08.
2500 Nazis marschieren zum Gedenken an Rudolf Hess durch das nahe gelegene Rudolstadt.
Thomas D. (NPD) hält in einer Gaststätte nahe Saalfeld ungehindert und vor laufenden Kameras eine Rede.